Hypnosecoach Irenka Appel aus Wien sieht nach links

Autistisch unternehmerisch: sichtbar werden ohne dich zu maskieren

Frau lehnt am Stuhl

Irenka Appel

Sichtbarkeit kostet viele autistische Unternehmer:innen mehr Kraft als die eigentliche Arbeit. Hier erfährst du, warum das so ist, was Masking damit zu tun hat und wie Marketing aussehen kann, das zu dir passt.

Wenn Sichtbarkeit mehr Kraft kostet als die Arbeit

Du hast ein Video aufgenommen, es dreimal neu gesprochen und am Ende doch nicht veröffentlicht, weil dir Tonfall, Mimik und Wortwahl nicht „professionell genug” erschienen. Oder du hast nach einem Netzwerktreffen zwei Tage gebraucht, um dich davon zu erholen, obwohl das Gespräch inhaltlich gut verlaufen ist.

In vielen Fällen steckt dahinter, dass Sichtbarkeit in der gängigen Form eine Art von Auftreten verlangt, die für dich dauerhaft anstrengend ist.

Was ist Masking?

Masking bezeichnet das bewusste oder unbewusste Anpassen des eigenen Verhaltens, um sozial erwartungsgemäß zu wirken. Dazu gehören zum Beispiel erzwungener Blickkontakt, einstudierte Smalltalk Sätze, das Unterdrücken von Stimming (Selbstregulation) oder das Nachahmen von Mimik und Gestik anderer.

Im Business kommt eine zweite Ebene dazu: die Außendarstellung. Viele von uns bauen sich eine Marketing Persönlichkeit auf, die offener, lauter und spontaner ist als wir selbst. Das lässt sich eine Weile durchhalten. Auf Dauer macht es müde, und es verändert, welche Kund:innen zu dir kommen. Wer ein Auftreten verspricht, das er nicht dauerhaft leben kann, zieht Menschen an, die genau das erwarten.

Warum Verkaufen sich oft falsch anfühlt

Vieles von dem, was als gutes Verkaufen gilt, beruht auf Druck, Dringlichkeit und Überzeugungsrhetorik.
Diese Art von Verkaufen hat noch nie zu mir gepasst und schon immer ein ungutes Gefühl in mir ausgelöst. 
Durch meine jahrelange NLP Erfahrung erkenne ich solche Methoden heute sehr gut und kann mich davor schützen.
Vor allem aber habe ich meinen eigenen Weg gefunden: Ich baue Vertrauen auf, teile gern mein Wissen, bin auf meine Weise sichtbar und bleibe dabei authentisch. So kommen auch die richtigen Kund:innen zu mir.
Die meisten meiner Kund:innen sind selbst im Spektrum oder haben autistische und/oder ADHS Merkmale. Mit ihnen fühlt sich die Zusammenarbeit von Anfang an stimmig an, und oft braucht es dafür gar nicht viele Worte.
 
Das bedeutet auch für dich: Du bist nicht schlecht im Verkaufen, nur weil die gängigen Methoden nicht zu dir passen. Es gibt andere Wege

Marketing ohne Masking

Es geht nicht darum, auf Sichtbarkeit zu verzichten. Es geht darum, Formate und Tempo an dich anzupassen.

Wähle das Format, das dir liegt. Wenn Schreiben dir leichter fällt als Sprechen, sind Blog, Newsletter oder LinkedIn eine gute Grundlage. Wer lieber vorbereitet, fühlt sich bei geplanten Formaten wie Interviews oder Webinaren mit festem Ablauf meist wohler als bei spontanen Live Situationen.

Lege einen Rhythmus fest, den du halten kannst. Ein verlässlicher Beitrag pro Monat wirkt stärker als tägliche Präsenz, die nach einem Monat abbricht.
 
Verkaufe klar und transparent. Genaue Informationen und nachvollziehbare Abläufe überzeugen viele Menschen mehr als Rhetorik. Dazu gehört auch, Geschichten zu erzählen: deine eigene oder die Erfolgserlebnisse deiner Kund:inne. Eine gute Geschichte zeigt, wie du arbeitest und was sich verändern kann, ohne dass du jemanden überzeugen musst. Das ist Verkaufen ohne zu Verkaufen.
 

Telefonieren muss nicht sein. Die meisten Autist:innen mögen telefonieren nicht. Beantworte Anfragen schriftlich, lass Termine über ein Buchungstool vereinbaren und biete online Kennenlerncalls an. Auch E Mail Marketing passt gut: Du formulierst in Ruhe und baust Vertrauen auf.

 
Entscheide selbst, wie viel du von dir zeigst. Du musst deine Neurodivergenz nicht öffentlich machen. Wichtig ist nur, dass das, was du zeigst, zu dir und deiner Arbeitsweise passt. 

Was dauerhaftes Masking kostet

Dauerhaftes Masking kostet viel Energie. Auf Dauer kann es in ein autistisches Burnout führen. Wichtig ist deshalb, einen Weg zu finden, der zu dir passt: bei der Sichtbarkeit, beim Verkaufen und im Kontakt mit Kund:innen.

Ich bin Irenka Appel, Hypnose- & Businesscoach. 

Als hochfunktionale Autistin liegt mein Schwerpunkt auf der Arbeit mit analytisch denkenden, emphatischen und reflektierten Menschen die fachlich viel leisten. Häufig stehen ihnen einzelne Themen im Weg, etwa Überforderung, Prokrastination, Auftritte, Verkauf, Netzwerken oder die Preisgestaltung. Dahinter liegt oft ein Muster, das sich mit Hypnose gezielt bearbeiten lässt ohne zu überfordern.

2 Antworten

  1. So spannend, und so gut! Bin selbst im Spektrum und im Mentoring Bereich + Network tätig. Überall hört man telefonieren sei das A&O – also ehrlich, wenn mich jemand anruft verfalle ich in eine Schockstarre 😅 Meinen Kundinnen tue ich das ebenso nicht an 😁 Es wird viel zu selten erwähnt dass eben nicht alles zu jedem passt. Danke dafür!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert